Fassungslos
stand Yvonne Bönisch auf der Matte des goldenen Triumphes,
und ihr Trainer Norbert Littkopf tanzte dazu. Das Judo-Leichtgewicht
aus Potsdam schaffte gegen die turmhohe Favoritin Sun Hui Kye
(Nordkorea) den Überraschungscoup. "Ich konnte einfach nicht fassen,
dass der Kampf zu Ende war und ich gewonnen hatte. Ich war so
fertig", schilderte Bönisch das Ende eines dramatischen Kampfes, in
dem die kleinstmögliche Judowertung Koka den Ausschlag zu Gunsten
der Außenseiterin gab.
Viertes Gold für deutsche Judoka
Für die deutschen
Judoka war es das vierte Gold nach Dietmar Lorentz (1980), Frank
Wienecke (1984) und Udo Quellmalz (1996). Olympiasieger in der
73-kg-Klasse der Männer wurde Won Hee Lee (Südkorea). Die schon
dreimal in Athen siegreichen Japaner gingen leer aus.
"Ich war
EM- und WM-Zweite, nochmal Vize wollte ich wirklich nicht werden,
habe ich vor dem Finale gedacht", sagte Bönisch, die gerade an Kye
sehr schlechte Erinnnerungen hatte. Im WM-Finale 2003 unterlag sie
der Atlanta-Olympiasiegerin, weil sie sich eine Minute vor Kampfende
den Ellbogen auskugelte. Bänderriss inklusive. "Natürlich hatte ich
Angst, aber ich wollte aggressiv sein und habe dann einfach nicht
mehr daran gedacht. Ich bin für eine Medaille nach Athen gekommen.
Alles hat perfekt geklappt."
Matijass holt Bronze
Die drahtige
Blondine aus Ludwigsfelde südlich von Berlin erkämpfte die 29.
Olympiamedaille für deutsche Judoka und die zweite in Athen. Zuvor
gewann Extraleichtgewichtlerin Julia Matijass (Osnabrück) bereits
Bronze. Außerdem haben in Johanna Hagen (1996) und Anna-Maria
Gradante (2000/jeweils Bronze) erst weitere zwei deutsche
Kämpferinnen olympisches Edelmetall in ihren Besitz gebracht. "Der
größte Tag in meiner Trainerkarriere", jubelte auch Bundestrainer
Norbert Littkopf. Für den Coach war es ein verspätetes Geschenk zum
60. Geburtstag, den er kürzlich feierte.
Bereits in
der Vorrunde hatte sich die ehemalige BWL-Studentin ("Im Moment
konzentriere ich mich ausschließlich auf Judo. Das Studium werde ich
wohl nicht wieder aufnehmen.") in bestechender Form präsentiert. Sie
besiegte nacheinander Spaniens Sydney-Olympiasiegerin Isabel
Fernandes, Jessica Garcia (Puerto Rico) und die japanische WM-Dritte
Kye Kusabake. "Yvonne hat mich beeindruckt", lobte Littkopf schon zu
diesem Zeitpunkt und warnte zugleich vor der Halbfinal-Kontrahentin
Deborah Gravenstejn (Niederlande).
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